Lovebird

DIN A Liebe – Gefühle und ihre gesellschaftliche Normung

Schwul, lesbisch, hetero, bi, trans- und intersexuell … ich persönlich fühle mich in keiner dieser gesellschaftlichen Schubladen so recht wohl. Diese furchtbar kryptisch klingenden Bezeichnungen versuchen uns in sexuelle Orientierungssysteme zu verorten. Von der obersten Schublade aus, so ganz nah an der Sonne, in moralisch einwandfreier Umgebung, schauen die Heteros auf die anderen Schubladen-Hocker darunter herab.

Wann immer es um nicht-heterosexuell orientierte Personen geht, spricht man politisch korrekt von der Abkürzung LSBTTIQ (engl.: LGBT). Wikipedia schreibt dazu wie folgt: „Die in Deutschland manchmal verwendete Abkürzung LSBTTIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und sonst abweichende Menschen.“ Sonst abweichende Menschen? Bitte was?! Weiterhin wird erklärt: „Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaft mit unterschiedlicher Thematik, deren Gemeinsamkeit es ist, nicht der Heteronormativität zu entsprechen.“2 Also spätestens bei Heteronormativität in dem das schöne Wort „Norm“ steckt – im Sinne von „normal“ – kommt es mir ein bisschen hoch.

 

 

Herzlichen Glückwunsch an alle Heteros, ihr bekommt das schöne gesellschaftliche Etikett normal und alle anderen suchen sich jetzt bitte was aus der LSBTTIQ-Sammelkiste aus.

 

 

Aber ich will die LSBTTIQ-Bewegung nicht kritisieren, ganz im Gegenteil, die öffentliche Sichtbarmachung von Minderheiten (wieder so ein schönes Wort) ist in erster Linie ein Kampf um gesellschaftliche Toleranz und – eines schönen Tages – Akzeptanz und gegenseitigen Respekt. Was mich daran dennoch stört, ist zum Einen die Abgrenzung von heterosexuell und dem LSBTTIQ-Haufen, der alle Minderheiten in sich vereinen soll (und das obwohl jede Interessengruppe ganz unterschiedliche Bedürfnisse hat) und zum Anderen liegt die Betonung immer auf SEXUELLER Orientierung. Ich hab darin jetzt irgendwie das Wort Liebe überhört. Aber darum geht’s doch eigentlich … oder hab ich was verpasst?

Zufällig habe ich entsprechend dazu einen erhellenden Artikel gelesen, in dem es um Asexualität ging.3 Asexuelle Menschen fühlen sich sexuell zu keinem Geschlecht hingezogen, was aber nicht bedeutet, dass sie sich keine Liebe und Beziehungen in ihrem Leben wünschen. Daher verwenden sie den Begriff romantische Orientierung. Diese Bezeichnung beschreibt viel besser das, was die meisten mit sexueller Orientierung meinen. Nämlich die Orientierung an dem/den Geschlecht/ern, zu dem/denen man sich im Bezug auf Liebe hingezogen fühlt. Bisher fehlten uns dafür aber die Worte.

Sexuelle Orientierung: Sexuell gesehen fühle ich mich hingezogen zu >>Hier bitte beliebige/s Geschlecht/er eintragen<<

Romantische Orientierung: Was Beziehungen und Liebe betrifft fühle ich mich hingezogen zu >>Hier bitte beliebige/s Geschlecht/er eintragen<<

Schön, dass man immer wieder dazulernt und sogar an Sprache gewinnt, wenn man „Minderheiten“ zu Wort kommen lässt. Diese Differenzierung lässt jetzt so einige Möglichkeiten zu, die eigene Identität in Worte zu fassen: „Romantisch bin ich hetero orientiert, aber sexuell gesehen bin ich bi“ und so weiter … Theoretisch gesehen, ist das jetzt echt nichts Neues … aber endlich haben wir auch angepasste Worte für das was wir empfinden. Oft unterschätzen wir die Macht der Sprache über unser Denken und Fühlen. Das wusste auch Ludwig Wittgenstein4: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“ Und wie Recht er damit hatte! Erst wenn wir Worte haben, mit denen wir uns verständigen und sichtbar machen können, besteht die Chance, dass wir uns gegenseitig verstehen und tolerieren können.

Daher ist es richtig und wichtig, dass wir Worte für unsere sexuelle und romantische Orientierung haben (… auch wenn sie mich persönlich nerven). Die Verortung ist einerseits sinnvoll, um auch für weniger gesellschaftlich akzeptierte Neigungen öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren und gesellschaftliche Toleranz zu schaffen und andererseits entsprechende Partner mit der gleichen Orientierung zu finden.

Gleichzeitig findet allerdings eine Einschränkung in Liebesdingen statt. Als ich ein Kind war, hat mir niemand die Frage gestellt, welche sexuelle oder romantische Orientierung ich wählen möchte. Und das wäre ja auch verrückt. Das ist schließlich keine Entscheidung die man einfach so trifft, sondern ein Gefühl, das man im Laufe des Lebens erfährt.

 

 

Aber natürlich beeinflusst das persönliche Umfeld – Familie, Freunde und gesellschaftliche Standards – die eigenen Neigungen.

 

 

Im Grunde wollen wir doch alle – unabhängig vom Geschlecht, romantischer oder sexueller Orientierung – das Gleiche; akzeptiert, respektiert, wertgeschätzt, gleichberechtigt behandelt und vor allem: geliebt werden, und zurücklieben. Ich sehe nicht ein, meine Gefühle von einer gesellschaftlich vordiktierten Rollenvorstellung abhängig zu machen. Denn Liebe in ihrer reinsten Form ist und war und bleibt zum Glück frei von Regeln, Standards und Moral.

Unser Charakter ist eine Zusammenstellung aus verschiedensten Persönlichkeitsmerkmalen, Einstellungen, Erfahrungen und Sehnsüchten. Und das Schöne daran; er ist niemals konstant. Der Mensch und sein Bewusstsein sind dazu gemacht, sich ständig weiterzuentwickeln. Unser Alltag besteht aus multiplen Masken und Rollen die wir beliebig einsetzen können und teilweise müssen (man denke beispielsweise an die Bewusstseinsveränderung die Berufsbekleidung in einem auslöst). Ich spiele tagsüber auf Arbeit eine andere Rolle, als abends bei meinen Freunden in der Bar. Das ist eine Tatsache, daran ist nichts verwerflich, im Gegenteil; es ist ganz natürlich und eine wundervolle Kunst seine eigene Persönlichkeit immer wieder neu auszuprobieren und sich selbst zu erfahren. Solange diese persönlichen Rollen nicht fremdbestimmt und auferlegt werden. Wir brauchen diesen alltäglichen Persönlichkeitswandel und wir sollten lernen, ihn besser wahrzunehmen und wertzuschätzen.

 

 

Die romantische und sexuelle Identität ist nichts weiter als ein Resultat aus verschiedenen Charaktereigenschaften, Erfahrungen und Sehnsüchten.

 

 

Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich Tomaten gehasst, weil niemand aus meiner Familie sie aß und ich es nicht anders kannte. Mittlerweile esse ich sie ganz gern und verstehe nicht so ganz, was mir 18 Jahre lang daran nicht schmeckte. Ich habe auch immer nur Beziehungen mit Männern geführt, weil es halt normal war und weil Männer – genauso wie Frauen – ganz wundervolle Wesen sind. Als ich dann plötzlich in eine Frau verliebt war, fragte ich mich nicht, ob das jetzt unnormal sei. Welches menschliche Gefühl könnte je unnatürlich sein – und vor allem dann, wenn es um Liebe geht?

Dennoch beginnt das Umfeld in solchen Fällen Theorien zu entwickeln und Fragen zu stellen. Ob es früher schon Anzeichen gegeben haben könnte? Ob das jetzt nur so eine Phase sei? Was genau soll man bitteschön darauf antworten, wenn man gerade verliebt ist? Warum spielt das in einem Moment absoluten Glückes überhaupt eine Rolle? Ich stelle mir ein Gespräch zwischen zwei Müttern vor: “Also der Max, der zeigt jetzt so langsam erste verdächtige Anzeichen. Ständig trifft er sich mit diesem Mädchen … ich glaube mein Sohn ist heterosexuell!” „Mensch, das glaube ich ja jetzt nicht! Hat er denn früher gern mit Autos gespielt? Ich hab’s dir doch gesagt, dass mit dem Fußballverein war keine gute Idee! Ach, aber das wird schon wieder. Ist sicher nur so eine Phase. Vielleicht sollten wir ihm mal den netten Jakob aus der Nachbarschaft vorstellen.“

Von der Norm abweichende Verhaltensweisen werden immer kritisch beäugt und misstrauisch hinterfragt. Das führt meistens dazu, dass unsichere Menschen die nicht der Heteronormativität entsprechen, sich ausgegrenzt und anders fühlen. Dabei ist die Liebe das Normalste und Schönste auf der Welt. Sich zum männlichen oder weiblichen Geschlecht hingezogen fühlen (oder zu beiden) passiert willkürlich und ist so unspektakulär wie die Präferenz für Paprika oder Tomaten. Aber nicht jeder hat das Glück, ein liebe- und verständnisvolles Umfeld zu haben, welches das Selbstbewusstsein stärkt und einem dabei hilft, ein selbstbestimmtes freies Leben zu führen. Diese armen Menschen müssen sich auf Grund ihrer romantischen und/oder sexuellen Orientierung verstecken, und die eigenen Bedürfnisse und Gefühle im schlimmsten Fall sogar unterdrücken. Und wir alle wissen, wie krank und unglücklich das den Menschen macht. Ein sehr kluger Freund sagte mir einmal:

 

 

“Nichts Menschliches ist mir fremd”,

 

 

als wir über den Kinofilm Feuchtgebiete sprachen, bei dem wir beide das große Entsetzen nicht so ganz verstanden hatten, weil uns das meiste davon – wenn auch drastisch dargestellt – einfach irgendwie nur menschlich vorkam. Mal abgesehen von dem Film; an diesen Satz erinnere ich mich immer wieder, sobald ich selbst oder meine Liebsten etwas fühlen oder tun was gemeinhin für unnormal gehalten wird.

Als bedingungsloser Optimist und Menschenfreund wünsche ich mir von Herzen, dass wir die mit Klischees gefüllten Schubladen eines Tages schließen und dass wir Liebe einfach das sein lassen können, was sie ist und immer schon war; geschlechtsneutral, horizonterweiternd, voller Wunder und Magie und der Stoff, der uns im Innersten und Äußersten zusammenhält.

 

Links und Literatur passend zu dem Thema:

Im Beitrag erwähnter Artikel über Asexualität:
„Plädoyer für asexuelle Sichtbarkeit.“ von Irina Brüning (2015)

Initiative für sexuelle Vielfalt und LGBT-Communities:
ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!

 

Quellen und Fußnoten:

1: Abbildung Normal Urheber: Daniel Hoherd.
Link zur Ursprungsseite. Link zur Lizenzvereinbarung.

2: Wikipedia Eintrag „LGBT“. Unter: http://de.wikipedia.org/wiki/LGBT, (zuletzt abgerufen am 13.03.2015 um 13 Uhr).

3: Irina Brüning (2015). Plädoyer für asexuelle Sichtbarkeit. Unter: http://www.queer.de/detail.php?article_id=23323, (zuletzt abgerufen am 13.03.2015 um 13 Uhr).

4: Ludwig Josef Johann Wittgenstein (* 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge) war ein österreichisch-britischer Philosoph. Biografie unter: http://www.alws.at/de/index.php/lwittgenstein/view/sein_leben_sein_werk/, (zuletzt abgerufen am 13.03.2015 um 13 Uhr).

Wisch und Weg! – Online-Dating, das Gesellschaftsspiel für Erwachsene

Der englische Begriff Dating sucht vergebens nach einer eindeutigen, semantisch identischen deutschen Übersetzung. Im Deutschen würde man vielleicht Partnersuche sagen. Dating dient dem Zweck der Prüfung der Beziehungstauglichkeit des Gegenübers. Es ist unverbindlich, wenngleich ein erstes zaghaftes gegenseitiges Interesse bekundet wird. Es ist eine Art „Schnuppertraining“ für eine mögliche Beziehung. Natürlich geht nicht jeder mit der Intention eine zukünftige Beziehung zu führen in ein Date, manchmal geht es auch schlichtweg um sexuelle Erwartungen und Bedürfnisse. In Zeiten von Online-Dating, Dating-Apps, Single-Parties, Speed-Datings usw. ist zu beobachten, dass Dating immer mehr zum Volkssport geworden ist.

 

Dating ist schon lange nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern eigenständige Kulturtechnik2 geworden. Der Weg ist das Ziel. Die Jagd ist eröffnet!

 

„Die Jagd ist die aktive Seite der Suche nach Glück. Und was wir nicht alles jagen! Schnäppchen. Traumjobs. Sex und Liebe. Das durchmischt sich manchmal bis aufs Schizophrenste. Die Sehnsucht nach einem romantischen Erlebnis, die Lust auf Sex, die Suche nach einem Ereignis. Da kann man schon durcheinanderkommen. Und es wird projiziert, was die Phantasie hergibt. Denn Hauptsache, es passiert was, oder es fühlt sich wenigstens so an. Und so jagen wir unseren Träumen nach, und es scheint, dass sich diese in unserer Gesellschaft vor allem um das Eine drehen. Natürlich um die Liebe, immer und immer um die Liebe.“3

Mittlerweile lassen sich über 2.000 Dating-Plattformen mit unterschiedlichen Ausprägungen (Singlechats, Partnervermittlung, Seitensprung-Dienste, Sextreffs etc.) verzeichnen. Auch der Markt der mobilen Dating-Apps ist auf dem Vormarsch. Etwa 1 Million Deutsche nutzen diese auf dem Smartphone.4 Eine bestimmte Funktion fällt dabei immer wieder auf; die User müssen zunächst ein Match erzielen, um mit dem jeweils anderen in Kontakt zu kommen. So müssen beide User sich gegenseitig gelikt haben, um miteinander chatten zu können. Diese Funktion unterscheidet sich von vielen Online-Dating-Plattformen am häuslichen PC. Ein gutes Beispiel hierfür, ist die Dating-App Tinder. Allein in Deutschland hat sie mittlerweile 100.000 Mitglieder, wovon sich 60% fast täglich einloggen, um nach potentiellen Partnern zu suchen.5 Und es ist so herrlich ungefährlich, man gibt sich nicht mal die „Blöße“ den anderen für gut zu befinden und dann einen Korb zu kassieren. Der/die andere erfährt erst von meinem Like, sobald er/sie mich auch gelikt hat.

 

Anonyme, voyeuristische Partnersuche mit minimalem Risiko und Einsatz.

 

Im Zuge meiner Bachelorarbeit „Dating Gamification – die Spielregeln der gamifizierten Partnersuche“6 machte ich zum Thema Online-Dating eine interessante Beobachtung: immer mehr Dating-Apps bedienen sich technischer Spieldesignelemente, wie wir sie ursprünglich aus Computerspielen kennen. Diese Spielifizierung von spielfremden Kontexten7 wird als Gamification8 bezeichnet. Gamification kommt in den häufigsten Fällen in wirtschaftlichen Kontexten zum Einsatz und das vor allem dann, wenn es darum geht langweilige bzw. routinierte Aufgaben zu lösen. Meistens hat es die Aufgabe der positiven Verhaltens-, und manchmal auch, Bewusstseinsveränderung (z. B. Mitarbeitermotivation bei Akkordarbeit etc.). Typische Spieldesignelemente sind beispielsweise verschiedene Level, Herausforderungen, Punkte- und Bewertungssysteme. Die Partnersuche ist eine Angelegenheit, die in den meisten Fällen intrinsisch motiviert ist. Es stellt sich die Frage, warum Online-Dating-Apps dann so häufig gamifiziert werden.

In einem Selbstversuch habe ich die Dating-App LOVOO9 hinsichtlich ihrer enthaltenen Spieldesignelemente und damit persuasiven Absichten und untersucht. Wer solche Dating-Apps benutzt, weiß auch um das Suchtpotential dieser;

„Nach fünf Minuten habe ich bereits vergessen, zu welchem Zweck ich ursprünglich hier bin. Ich will wischen, wischen, gewinnen! >>It’s a match!<<, ruft Tinder. >>Nachricht schreiben<< oder >>Weiterspielen<<? Weiterspielen natürlich! 42 Matches in nur zwanzig Minuten! Als die Nachrichten von meinen Matches eintröpfeln, ärgere ich mich fast, dass mein Spielflow unterbrochen wurde. (…) Zwei Tage später, auf dem Weg zu unserem Date, verpasse ich meine Haltestelle. Wegen Tinder. Inzwischen tindere ich beim Gehen und auf dem Klo. Ich habe rote Augen und einen ständig leeren Handyakku.“10, dieses Zitat aus der NEON beschreibt den Suchtfaktor von gamifizierten Dating-Apps ziemlich treffend.

 

Die eigentliche Suche wird zur Sammlung.

 

In einer von Überfluss und Wahlfreiheiten bestimmten Gesellschaft fällt es schwer Partnerwahl-Entscheidungen zu treffen, denn das Individuum unterliegt nicht mehr dem Zwang einen bestimmten Partner zu wählen (Familienbestimmung, Kirche, Klassengesellschaft etc.). Selbst die sexuelle Orientierung ist heute etwas, was sich im Laufe des Lebens beliebig verändern kann („Wann hast du entschieden hetero zu sein?“ (ENOUGH is ENOUGH, Stop Homophobia11).

Ein selbstbestimmtes Leben zu führen bringt gleichzeitig das Problem der Orientierungslosigkeit mit sich. „Sie verlieben sich auf den ersten Blick – und sind enttäuscht auf den zweiten. Sie begegnen der großen Liebe auf der Straße, in einem Geschäft, und haben es Minuten später vergessen. Sie haben keine Zeit mehr für die Liebe, weil sie andauernd lieben müssen.“12 Hillenkamp beschreibt hier die ständige Suche nach dem/der Einen, der/dem Richtigen. „In einer Welt, in der der Mensch dem Menschen meist als Passant oder Bild begegnet, verlieben die Menschen sich pausenlos. Sie sind ständig umgeben von anwesend Abwesenden, unmöglichen Möglichkeiten, greifbar nahen Unerreichbarkeiten.“13

Wenn weder Familie, Religion noch Gesellschaft bestimmen, wer der richtige Partner ist, ist es schwer diesen auszumachen. An welchen Kriterien bemisst sich dann der/die Eine? Dating Gamification14 könnte eine mögliche Konsequenz daraus sein. Gamifizierte Datingangebote dienen dann als eine Art Entscheidungsdelegation.

 

Die Technologie soll das unbegrenzte Suchfeld der möglichen Partner eingrenzen.

 

„Ich muss aber sagen, dass mich virtuelle Matches auch etwas irritieren. Da haben wir endlich die totale Freiheit, diese fast grenzenlosen Möglichkeiten, und uns fällt nichts Besseres ein, als die soeben gewonnene Verantwortung eilend wieder an ein Computerprogramm abzugeben. Denn mögen auch alle Psychologen predigen, dass gemeinsame Interessen und Werte die Basis einer langfristigen Beziehung darstellen, die Wucht der Liebe entzieht sich der Statistik. Und das Begehren wird oft angestachelt von Unterschieden.“15

Dating-Apps dienen auch als eine Art soziales Maß, an dem man sich selbst und andere bemisst, es „integriert Individuen (…) in Orientierungs- und Selbstvergewisserungssysteme“16 , indem es das eigene Verhalten und das der anderen widerspiegelt in Form von regelmäßigen Benachrichtigungen wie:

 

„Du bist sehr beliebt heute! 5 Leute mögen dich, finde heraus wer es ist!“17

 

oder „Yeahh, du hast heute schon 7 Votes erhalten. Breche den Rekord und spiele jetzt eine Partie“(Pushnachrichten auf dem Smartphone von der App LOVOO im Selbstexperiment).18

Als ich diese Nachrichten von LOVOO erhielt, stellte ich mir allerdings die Fragen; Was bedeutet im Zusammenhang von Dating und Partnersuche beliebt sein? Welcher Rekord soll gebrochen werden und woran bemisst sich dieser? Warum überhaupt sollte eine möglichst große Beliebtheit mein Ziel sein, wenn ich doch nur den/die Eine/n finden und imponieren will und nicht alle/n? Die App suggeriert implizit: eine große Beliebtheit bei allen, erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass auch der/die Richtige mich mag.

Eine Paradoxie bei gamifizierten Dating-Apps besteht in der Diskrepanz zwischen dem Ziel des Users und dem der App-Entwickler. Denn die anfängliche Intention der User ist zunächst das Finden eines geeigneten Partners. Die Intention von App-Entwicklern liegt allerdings vielmehr in der stetigen Nutzung der App, also dem stetigen Suchen. Solange der User auf der Suche ist, nutzt er auch die App weiterhin. Genau das erreichen die Betreiber mit Gamification. Durch Gamification rückt das eigentliche Ziel der User unbemerkt in den Hintergrund. Dies entsteht zum einen durch die Spielmechanik der App, die den User zur stetigen Verbesserung und zum Weiterspielen motiviert und zum anderen in der endlosen Hoffnung, einen „immer noch besseren Partner“ zu finden.

 

Das Spiel, die Suche, das Sammeln wird dann oft unbemerkt zum eigentlichen Ziel von gamifizierten Dating-Apps.

 

Die regelmäßige Nutzung von Dating-Apps kann zur Folge haben, dass der Eindruck von unendlich vielen potentiellen Partnern entsteht. Diese (gefühlte) unendliche Auswahl veranlasst den User (wie in einem Spiel) zur ständigen Optimierung a) seiner Suche, b) seines Fremdbildes und c) seiner potentiellen Partner. Das Ziel kann nie erreicht werden, weil sich unzählige neue Möglichkeiten ergeben und die Suche unendlich wird. Das Spiel wird alltäglich, ewig – es wird zur Routine.

Online-Dating hat die Partnersuche und unser Denken darüber verändert. Das hat auch Auswirkungen auf die Art und Weise wie wir Beziehungen sehen und führen. Die Gamifizierung von Dating-Apps kann als nächste Stufe zur Veränderung des Bewusstseins darüber gesehen werden. Dating wird zum Spiel und auch wenn Spiele naturgemäß von Regeln und Rollen begrenzt werden, wird Partnersuche dadurch paradoxerweise doch freier. Das „Spiel“ kann jederzeit beendet werden, es gibt keine direkten Verlierer oder Gewinner bei Dating-Apps, es gibt nur Sammler.

Gamifizierte Dating-Apps haben vielmehr einen Sammelcharakter, als dass sie das Finden eines Partners zum Ziel haben. Die Wahrscheinlichkeit den/die Richtige/n zu finden, wird scheinbar durch die Anzahl der gesammelten potentiellen Partner erhöht.

 

Die Profile in den Apps wirken – visuell betrachtet – oft wie Spielkarten, die nach rechts oder links geschoben werden. Auch das Halten des Smartphones währenddessen erinnert an das Halten von Spielkarten.

 

Hochkomplexe Technologien in unserem beruflichen und privaten Alltag fordern eine neue Simplifizierung der Dinge. Auch die Partnersuche wird durch die individuelle Freiheit eines jeden immer komplexer. Gamification kann als eine Konsequenz für diese gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen gesehen werden.

Auch wenn Kommunikationsmedien diesbezüglich vieles einfacher, schneller und unterhaltsamer machen, sollten sie dennoch – oder gerade deshalb – immer kritisch hinterfragt werden. Sich selbst und andere anhand dieser zu bemessen (sozialer Vergleich19) ist äußerst riskant, da fraglich ist, welche „Referenzsysteme der Differenzierung und Bewertung“20 dahinter stecken. Letztlich ist das Suchen und Finden eines passenden Partners vielleicht ein Spiel, aber sicherlich kein Wettbewerb.

 

Wer Interesse an der vollständigen Forschungsarbeit „Dating Gamification – die Spielregeln der gamifizierten Partnersuche“ hat, hinterlässt mir einfach eine kurze Mail.

 

Links und Literatur passend zu diesem Thema:

Unterhaltsamer Artikel zum Thema Online-Dating mit Tinder:
„Ich hatte zu viel Sex“ von im gegenteil 

Interessante Literatur zum Thema unbewusste Rollenspiele im Alltag:
„Spiele der Erwachsenen: Psychologie der menschlichen Beziehungen.“ von Eric Berne (2002) und

„Ist das Leben ein Spiel? Aspekte einer Philosophie des Spiels und eines Denkens ohne Fundamente.“ von Rötzer, F. (2013).

Spannende Konzepte und Forschungen zum Thema „Spiel als Methode“ von einer sehr geschätzten UdK Dozentin: Preenaction von Daniela Kuka 

 

Quellen und Fußnoten:

1: Abbildung Tinder Date Urheber: Chris Goldberg.
Link zur Ursprungsseite. Link zur Lizenzvereinbarung.

2: Wikipedia Eintrag „Kulturtechnik“. Unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturtechnik (letzter Zugriff: 11.03.2015, 11 Uhr).

3: von Schirach, Ariadne (2007). Der Tanz um die Lust. München: Goldmann Verlag (2007). S. 183-184.

4 + 5: Singlebörsenvergleich, unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/presse/online-dating-markt-2011-2012-de.pdf, (letzter Zugriff: 14.07.2014, 15 Uhr).

6: Dating Gamification – Die Spielregeln der gamifizierten Partnersuche. Berlin: Universität der Künste (2014). (auf Anfrage hier)

7: Gemeint sind in diesem Zusammenhang vor allem wirtschaftliche Bereiche, die ursprünglich kein spielerisches Umfeld darstellen

8: Deterding, S., Khaled, R., Nacke, L. & Dixon, D. (Mai, 2011). Gamification: Toward a definition., unter: http://hci.usask.ca/uploads/219-02-Deterding,-Khaled,-Nacke,-Dixon.pdf, (letzter Zugriff: 9.06.2014, 13:00 Uhr).

9: Inside Lovoo, unter: http://inside.lovoo.net/flirten-via-smartphone-lovoo-app-bringt-singles-an-ort-und-stelle-zusammen/, (letzter Zugriff: 14.07.2014, 18 Uhr).

10: Schrag, N.: Wisch und Weg. In: NEON (Mai 2014).

11: ENOUGH is ENOUGH, unter: http://www.enough-is-enough.eu/, (letzter Zugriff: 11.03.2015, 11 Uhr).

12: Hillenkamp, S. (2012). Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. München: dtv (2012), S. 18-19.

13: Hillenkamp, S. (2012). Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. München: dtv (2012), S. 71.

14: Dating Gamification – Die Spielregeln der gamifizierten Partnersuche. Berlin: Universität der Künste (2014). (auf Anfrage hier)

15: von Schirach, Ariadne (2007). Der Tanz um die Lust. München: Goldmann Verlag (2007). S. 246.

16: Kuka, D. (2014). Spielweisen des Maßnehmens und Maßgebens. In: Subjekte der Geschichte. Nebulosa Nr.: 05 (2014), S. 123.

17: Pushnachricht auf dem Smartphone von der App LOVOO im Selbstexperiment.

18: Pushnachricht auf dem Smartphone von der App LOVOO im Selbstexperiment.

19: Wikipedia Eintrag Theorie des sozialen Vergleichs. Unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_des_sozialen_Vergleichs (letzter Zugriff: 11.03.2015, 11 Uhr).

20: Kuka, D. (2014). Spielweisen des Maßnehmens und Maßgebens. In: Subjekte der Geschichte. Nebulosa Nr.: 05 (2014), S. 123.

Vom Lieben und Liken – Gefühle in Zeiten des sozialen Vergleichs

Wir sind keine Hipster. Wir sind keine Digital Natives. Wir wissen selbst nicht, was diese Begriffe bedeuten. Aber wir wissen, wie sie sich anfühlen. Sie drücken ein Lebensgefühl aus. Wir sind Sturm und Drang! Wir wissen nicht wohin die Reise gehen soll, nur, dass sie was mit Selbstentfaltung und –erkenntnis zu tun haben soll. Daher müssen wir diese Reise ganz allein tun. Aber wir haben jede Menge Follower. Und die meisten liken was wir tun.

Wir alle machen was mit Medien oder studieren BWL. Keiner vermag zu erklären, was genau wir eigentlich tun oder können. Erst Recht nicht, nach dem Sinn zu fragen. Wir sind Multi-Tasker und Allrounder. Wir sind für alles offen und zu nichts zu gebrauchen.

Heute ist ein guter Tag. 76 Freunden gefällt mein veganes Abendessen und 21 Leute kommentieren meine neuesten Urlaubsbilder #happy

 

Liebe, Freundschaft und Zuneigung drücken sich im Internet anders aus, als im analogen Alltag. Und dennoch besteht kein Unterschied zwischen Online- und Offline-Gefühlen. Es gibt Liebe und es gibt keine Liebe. Es gibt Freundschaft und es gibt keine Freundschaft. Und zugegeben, dazwischen gibt es zahlreiche Graustufen.

Der NEON (Mai 2014) beschreibt den Zustand ziemlich treffend: „Eins ist klar: Im Jahr 2014 ist jede Beziehung und Affäre eine Onlinebeziehung und Onlineaffäre. Und dabei spielt es keine Rolle, ob einem der neue, tolle Mensch von einem Logarithmus auf Parship zugewiesen wurde oder er einem wegen seines nachdenklichen Lächelns im Kinofoyer nach der Bertolucci-Retrospektive aufgefallen ist. Das ist so, weil wir ab der Stunde null sofort Nachrichten austauschen. Weil wir die Onlineprofile von Person X nach Indizien, Spuren und Fotos, ja, vor allem Fotos durchforsten, die uns Hinweise auf ihre Persönlichkeit geben, und wir hoffen, dass Person X im selben Moment unser Onlineprofil analysiert (wir haben es ja extra optimiert).“2

Jede Partnerschaft, jede Freundschaft, jede Bekanntschaft – unterm Strich: jede soziale Beziehung – wird durch virtuelle soziale Netzwerke beeinflusst. Die digitale Welt beeinflusst die analoge … und andersherum. Und schon immer war die Währung für Freundschaft und Liebe Aufmerksamkeit, Zuneigung, Loyalität, Aufrichtigkeit … und daran ändert auch die gelegentliche, temporäre Verlagerung dieser Beziehungen ins Internet nichts.

Geliebt & gelikt werden wird zu unserem neuen sozialen Kapital3

 

Sympathie drückt sich in Likes, Followern, verpassten Anrufen und der Anzahl der Veranstaltungseinladungen bei Facebook aus. WER einlädt, likt oder anruft wird dabei fast zur Nebensache. Was zählt ist die Summe aller sozialen Aufmerksamkeiten. Dieses Streben nach sozialem Kapital lässt uns so einige bemerkenswerte Verhaltensmuster entwickeln: Wir twittern, bloggen, posten, photoshoppen, verschönern und verschleiern was das Zeug hält.

Wir belügen und betrügen die anderen und uns selbst in dem wir faken, retuschieren und das lustige total spontane YouTube Video 31-mal wiederholen und optimieren bis wir es ins Netz stellen. Böses Internet! Das Internet hat die Lüge erfunden! Moment mal. Denn dass wir uns gern mal in einem besseren Licht zeigen, ist nichts, was wir erst gelernt haben seitdem wir Avatare und Profile kennen.

Jeder will gemocht, geliebt und anerkannt werden. Ganz gleich ob online oder offline. Das Internet macht soziales Kapital plötzlich messbar, wir können Likes, Anrufe und Kommentare zählen, lesen und vergleichen. Soziale Netzwerke legen Maßstäbe an unser Alltagsleben und unsere Beziehungen an. Wir werden direkt und schonungslos anhand dieser Parameter miteinander verglichen. Und plötzlich fühlen wir uns minderwertig, weil andere vermeidlich „messbar“ schöner, abenteuerlustiger und aufregender sind als wir (schließlich bekommt die blöde Anna immer mindestens 200 Likes für ihre blöden Selfies).

Der ständige freiwillige und unfreiwillige soziale Vergleich macht uns zu einer Generation der Sehnsucht und Unzufriedenheit

 

Wir würden auch gern um die Welt reisen wie Jan, so gut aussehen wie Luisa und so eine harmonische Beziehung führen wie Mona und Jens. Dabei liegen Anschein und Realität meist meilenweit entfernt. Denn Jan fühlt sich eigentlich ziemlich einsam auf seinen Reisen, Luisa fühlt sich meistens viel zu dick und Mona und Jens lächeln auch nur noch für die Urlaubsfotos gemeinsam in die Kamera.

Und doch sehnen wir alle uns nach Liebe, nach sozialem Kapital. Und allzu oft fallen wir dabei auf den je-mehr-desto-besser-Trugschluss herein. „Sie wollen romanhaft lieben, doch romanhaft lieben sie nicht. Sie würden ihr Leben umwälzen für die Liebe. Sie sagen immer, was sie fühlen, sie schreien es heraus. Sie werden Mitglied in Liebesgruppen, Liebessekten. Sie nehmen an Orgien teil. Sie sind Mitglied in Orgienvereinen. Sie weigern sich, länger als eine Woche unglücklich zu sein – und trennen sich also. Sie weigern sich, länger als zwei Stunden ihre Sehnsucht auszuhalten – und haben Sex mit Unbekannten. Sie sitzen onanierend vorm Computer“.4 Die Suche nach Liebe wird so zur niemals endenden.

Das Sammeln von sozialer Aufmerksamkeit wird zum Volkssport. Unsere Werkzeuge sind Daumen die auf dem Smartphone potentielle Partner nach links („oh nein, danke“) oder nach rechts („ich kann mir vorstellen mit dir zu schlafen“) wischen.5 Die Freiheit neue Menschen kennenzulernen, uns sexuell auszuprobieren und die Liebe zu finden ist durch das Internet heute größer als jemals zuvor. Das Paradoxe daran: Die Freiheit wird gleichsam zum Zwang. „Die Menschen glauben, Entschlüsse zu fassen. Sie glauben Möglichkeiten wahrzunehmen. Tatsächlich aber fallen sie auf ihre Möglichkeiten zu wie Steine zu Boden. Die Freiheit, jemanden zu küssen, ist tatsächlich der Zwang, jemanden zu küssen. Die Menschen, die ihre Freiheit nutzen, müssen sie nutzen. Sie müssen trinken und müssen küssen. Die Geschwindigkeit der Menschen in der Freiheit ist die Geschwindigkeit des freien Falls. Die Menschen tun alles beim ersten Mal. Wie auch der Stein beim ersten Mal zu Boden fällt. Auch er kann nicht warten in der Luft“.6

 

 

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Quellen und Fußnoten:

1: Abbildung Lego Selfie Urheber: Christophe Pelletier.
Link zur Ursprungsseite. Link zur Lizenzvereinbarung.

2: Moorstedt, T.: Liken und Lieben, in: NEON (Mai 2014).

3: Franck, G. (1998). Ökonomie der Aufmerksamkeit. Unter: http://philosophie.hfg-karlsruhe.de/sites/default/files/oekonomie_der_aufmerksamkeit_franck_zeitdiagnose.pdf, S. 121 ff. (letzter Zugriff: 09.02.2015, 17 Uhr).

4: Hillenkamp, S. (2012). Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. München: dtv (2012). S. 41.

5: Gemeint ist hier die Dating-App „Tinder“, bei der man mittels Fotos potentielle Singles vorgestellt bekommt und lediglich mit einem Klick entscheidet, ob man sich vorstellen kann die Person besser kennenzulernen oder nicht. Wenn beide Parteien sich gegenseitig gelikt haben, entsteht ein „Match“ und somit die Möglichkeit miteinander zu chatten.

6: Hillenkamp, S. (2012). Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. München: dtv (2012). S. 26-27.

„Was heute Liebe ist, ist nicht mehr das, was gestern Liebe war.“
(Salonabend Postmoderne Liebe der Universität der Künste, Januar 2014)

In einer Multioptionsgesellschaftund in Zeiten von unzähligen Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung und globaler Vernetzung gilt es, die Begriffe Liebe, Partnerschaft und Sexualität neu zu denken, zu definieren und zu interpretieren.

Denn obwohl diese gesellschaftlichen Konstrukte zeitlos zu sein scheinen, lädt jede Generation sie mit neuen Assoziationen, Vorstellungen und Erwartungen auf. Medien leisten hierzu einen erheblichen Beitrag, indem sie die kulturelle Bedeutung reflektieren, produzieren und verzerren.

Dieser Blog versucht postmoderner Liebe und Beziehungsmodellen in unserer Generation angepasste Bedeutungen und neue Denkanstöße zu geben.

Parship, ElitePartner, Tinder, Speed-Dating, Casual-Dating, Swinger-Parties … die Möglichkeiten der Partnersuche und die Freiheiten des sexuellen Experimentierens scheinen heute unbegrenzt – vergleichbar mit der Reizüberflutung im Supermarkt. So werden wir zu „Konsumenten“ der Liebe, der Verliebtheit und von sexuellen Abenteuern. Immer auf der Suche nach dem nächstbesten Angebot. Ja, wir sammeln die Treueherzchen und unser emotionales Portemonnaie ist voll von Bonuskarten. Je größer das Angebot an potentiellen Partnern und Sexerlebnissen, desto anspruchsvoller und wählerischer werden wir. Die Toleranz und Bereitschaft den anderen in seiner Andersartigkeit langfristig auszuhalten wird immer geringer.

Ich will nicht soweit gehen wie Sven Hillenkamp, der „Das Ende der Liebe“2 heraufbeschwört und möchte auch kein pessimistisches Bild von postmoderner Liebe zeichnen. Alles was ich will, ist, beobachten, denken, schreiben und das so unvoreingenommen wie man das als Subjekt nun mal kann.

Lovebird will weder Beziehungsratgeber sein, noch ein Gesamtbild der Gesellschaft darstellen. Eindeutige Definitionen und Verallgemeinerungen führen zu gefährlichen Klischees, Vorurteilen und Schubladen, die ich weder öffnen, noch schließen möchte. Selbst wenn von Gesellschaft die Rede ist, passiert das in dem Bewusstsein, dass sie als homogene Masse, die die selben Wertvorstellungen und Verhaltensweisen teilt, nicht existiert. Die Texte handeln von alltäglichen Beobachtungen, Einzelerscheinungen und meinen subjektiven Erfahrungen, Gedanken und Interpretationen.

Let’s discuss! Mischt euch ein, regt euch auf, fühlt euch verstanden. Ich freue mich über kritische Denkanstöße und Meinungen, die meine und eure Perspektive über die modern-verstandenen Begriffe Liebe, Partnerschaft und Sexualität eingrenzt, erweitert und bereichert.

 

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Quellen:
1 Abbildung Lass uns über Liebe diskutieren. Urheber: Andreas Winterer.
Link zur Ursprungsseite. Link zur Lizenzvereinbarung.
2 Gross, P. (2005). Die Multioptionsgesellschaft. Berlin: Suhrkamp.
3 Hillenkamp, S. (2012). Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. München: dtv.

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